Heinrich Breuer

Professor, der missbrauchte Kinder beschuldigt,
tritt bei den „Kölner Therapietagen 2009“
als Hauptreferent auf

Heinrich Breuer ist begeistert

Ein vergeblicher Appell an Qualitäts-Medien: …

…, ich möchte Sie darauf hinweisen, dass bei den „Kölner Therapietagen 2009“, die vom 30.10. bis 01.11. stattfinden, ein ganz besonderer Experte als Haupt-Referent auftreten wird: Otto F. Kernberg. Er ist ein weltweit bejubelter psychotherapeutischer „Fachmann“. Er behauptet in einem Vortrag bei den Lindauer Psychotherapiewochen (später publiziert) wörtlich: Eine von ihrem Vater sexuell missbrauchte Grundschülerin (unkonkret: unter 10 Jahre alt) erlebe ihren Missbrauch „in typischer Weiseals einen sexuell erregenden Triumph über ihre Mutter.“ Der Erfolg dieser genialen Therapie: „Von dem Moment an, als sie sich nicht mehr als Opfer sehen musste, konnte sie sich auch mit ihrer eigenen sexuellen Erregung in diesem unbewussten und jetzt bewussten Sieg über die ödipale Mutter zurechtfinden und ihre Schuld tolerieren. Sie erlangte so die Fähigkeit, sich mit dem Täter zu identifizieren, nämlich mit der sexuellen Erregung des sadistischen, inzestuösen Vaters. … Zum ersten Mal in ihrem Leben war sie fähig, einen Orgasmus im sexuellen Verkehr mit ihrem sadistischen Freund zu haben.

In einem anderen Fall: Eine Patientin mit der Erfahrung sexuellen Missbrauchs in der Kindheit hat sich das Leben genommen, nachdem sie in Kernbergs Klinik von ihrem Therapeuten sexuell missbraucht wurde. Durch eine Freundin der Frau kommt es zu einer Anklage des Therapeuten und der Klinik. Kernbergs Analyse: Die Patientin mit einer antisozialen Persönlichkeit habe ihren Therapeuten verführt. Es liege die „Transformation des Opfers in einen Täter“ vor. „Sie sehen, wie sie im Tode sich noch r…[ächte], wie sie Opfer und Täter zugleich wurde.“ Eine Therapie laufe im Übrigen gut, so Kernberg, wenn der Analytiker die Lust verspüre, seine Patienten aus dem Fenster im 80. Stock zu werfen und dabei freudevoll zu warten, bis er unten ein leises „Plopp“ höre.

Und ein dritter Fall, der zeigt, wie brutal Kernberg die schädigende Wirkung von realer Gewalt leugnet und die Opfer selbst bezichtigt: Ein Mann hat als 12jähriger Junge die Ermordung seiner ganzen Familie vor seinen Augen im KZ miterlebt. Als Erwachsener verhält er sich gegenüber Frau und Kindern auffallend aggressiv. Diese „chronische Aggression“, wie Kernberg analysiert, müsse er – man höre und staune – als Säugling an der Mutterbrust entwickelt und in das KZ bereits mit hineingebracht haben. Die KZ-Erfahrung selbst ist – nach Kernberg – für die Entwicklung der Verhaltensstörung nicht relevant.

Mit solchen Weisheiten schult Kernberg PsychotherapeutInnen. Sie lernen bei ihm auch, auf die Frage eines KZ- oder Folteropfers – „Glauben Sie mir nicht? Sind Sie nicht meiner Meinung? War das nicht entsetzlich?“ – therapeutisch korrekt zu antworten: „Warum brauchen Sie meine Meinung, anstatt eine eigene zu haben?“

Alle Zitate sind Kernbergs Artikel „Persönlichkeitsentwicklung und Trauma“ entnommen (in: Persönlichkeitsstörungen – Theorie und Therapie, PTT, 1/1999, S. 5-15, Schattauer Verlag). (Dort finden sich noch mehr Ungeheuerlichkeiten.) Der Aufsatz gibt den Inhalt eines gleichnamigen Vortrags wieder, den Kernberg bei den „Lindauer Psychotherapiewochen“ (LPTW) 1997 gehalten hatte. Kurz nach seinem Vortrag war er zum Präsidenten der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPA) gewählt worden. (Ein Audiomitschnitt des Vortrages wird vom Auditorium-Netzwerk, Müllheim, vertrieben.) Bis letztes Jahr hat Kernberg im wissenschaftlichen Beirat in Lindau gesessen.

Auf der Audio-Aufnahme des Vortrages ist zu hören, wie Kernberg sein Publikum zu gröhlendem Lachen bringt, als er von der Patientin berichtet, die sich nach dem Missbrauch durch ihren Therapeuten das Leben genommen und sich damit an ihrem Analytiker (angeblich) „gerächt“ hatte. Der begeisterte Applaus von etwa 1000 anwesenden ExpertInnen nach diesem Vortrag vermittelt die Sicherheit, hier auf Perlen psychoanalytischer Weisheit gestoßen zu sein.

Wieder einmal haben jetzt Ende Oktober ärztliche und psychologische PsychotherapeutInnen aus dem ganzen Land die Möglichkeit, bei einem Kongress zum Thema „Person – Persönlich – Persönlichkeit“ Kernbergs großer Heilslehre teilhaftig zu werden. Mit 12 Fortbildungspunkten wird jeder Tag der Anwesenheit von Ärzte- und Psychotherapeutenkammer belohnt.

Otto F. Kernberg kommt!“ – so die begeisterte Ankündigung für die „Kölner Therapietage 2009“ (www.koelner-therapietage.de): „Es ist nicht übertrieben, den inzwischen 80-jährigen Psychoanalytiker, Forscher, Theoretiker, Praktiker und Erneuerer als eine Legende der Psychotherapie zu bezeichnen. Mit seinen Forschungen zur Persönlichkeitsentwicklung und zu Persönlichkeitsstörungen erwarten wir einen gewichtigen Beitrag zu unserem diesjährigen Thema.“

In einer ausführlicheren Huldigung der Kölner Akademie an den großen Meister heißt es (www.koelner-therapietage.de/otto-f-kernberg.php): „Der Name Otto Kernberg bringt Berufskollegen dazu, in Superlativen zu sprechen. Kernberg wird als einer der führenden und einflussreichsten Denker in der Psychiatrie und Psychoanalyse angesehen und gilt als der am häufigsten zitierte Psychoanalytiker der Welt. Das Ausmaß seiner Produktivität, seines Engagements und seines Leistungsspektrums ist faszinierend. Kein großer psychotherapeutischer Kongress, der sich nicht gerne mit seinem Namen ziert. Otto Kernberg ist mit zahllosen Auszeichnungen, Ehrungen und Titeln hoch dekoriert.“

Ein psychotherapeutischer „Experte“, bei dem sich (wie ich nachgewiesen habe) die pure Menschenverachtung durch sein ganzes Lebenswerk hindurch zieht, wird also rückhaltlos angehimmelt. Der Name dieses Gurus ist der gesamten TherapeutInnenschaft geläufig, sein Werk jedoch hat – worauf Nachfragen im KollegInnenkreis schließen lassen – wohl kaum jemand wirklich gelesen. In seinen Vorträgen verbirgt er hinter hohlen rhetorischen Phrasen seine perfide, quasi neoliberale Menschenverachtung: Jeder Säugling bzw. jedes Kleinkind ist seines eigenen Glückes Schmied. Grundlage dieser „Theorie“ ist die gläubig übernommene Doktrin Sigmund Freuds. Ihre Zuspitzung ist Kernbergs persönliche Note.

Kernberg blendet sämtliche – realen! – Leidenserfahrungen seiner PatientInnen aus. Stattdessen sucht er den Ursprung von Verhaltensproblemen im diffusen Nebel – unterstellter! – frühkindlicher Perversionen im Umkreis von „oraler Wut“ (was immer das sein mag). Die Kölner Akademie verbrämt diese Masche Kernbergs so: „Seine Weiterentwicklung der Objektbeziehungstheorie fokussiert die Qualität früher Beziehung und Bindung als grundlegend für die Persönlichkeitsentwicklung. So wurde er zum Pionier und Verfechter wissenschaftlicher Forschung, der den Versuch wagt, die Psychoanalyse aus dem Nebel persönlicher Wirksamkeitsüberzeugungen auf das Niveau evidenzbasierter Wissenschaftlichkeit zu heben.“

Eine sexuell missbrauchte Grundschülerin hat ihre Schuld zu tolerieren. Eine in ihrer „Therapie“ sexuell missbrauchte Klientin (mit kindlicher Missbrauchs-Erfahrung), die sich daraufhin umbringt, worauf es durch eine Freundin des Opfers zu einer Anklage des Therapeuten und der Klinik kommt, „transformiert“ sich vom Opfer zum Täter und rächt sich auf diese Weise an ihrem Therapeuten. Ein KZ-Aufenthalt ist eigentlich unproblematisch – problematisch dagegen ist das Säuglingsverhalten an der Mutterbrust. Solche Weisheiten sollen „wissenschaftlich“ und „evidenzbasiert“ sein? Das Erlernen solcher Weisheit soll in Köln von Ärzte- und Psychotherapeutenkammern mit Fortbildungspunkten belohnt werden?

Vor über einer Woche hatte ich fast sämtliche DozentInnen der Kölner Akademie für Verhaltenstherapie per Email angeschrieben (49 Stück). Davon haben drei reagiert. Einer, Claus Lechmann, war erschrocken über Kernbergs Position und wünschte weitere Information. Eine andere Dozentin, Frau Siegl, meinte, sie kenne Kernberg nicht, wolle sich aber künftig etwas mehr mit ihm beschäftigen. Ein Heinrich Breuer (den ich wohl irrtümlich für einen der Leiter des AVT gehalten hatte) reagierte wie folgt:

Sehr geehrter Herr Schlagmann,
zu viel der Ehre, ich habe zwar die ersten beide Kölner Therapietage organisiert, das aber an die AVT abgegeben. Bin aber sehr damit einverstanden, dass Otto Kernberg eingeladen wurde. Sehr interessant, so aus dem Zusammenhang gerissene Zitate. Habe einmal in einer rechten Zeitung Zitate von Hitler und Goebbels gelesen, sie erschienen einem wie Engel. Schade, dass die Kollegen von der IPA nicht so weise sind wie Sie und den fürchterlichen Menschen zum Vorsitzenden gewählt haben. Wahrscheinlich alles Schwachköpfe, die den wahren Kern von Kernberg nicht erkannt haben. Ein „Schlag“mann kann das gewiss besser. Immer feste draufhauen, Hautsache es kracht. Wenn Sie täglich die Bildzeitung lesen, könne Sie noch mehr lernen, wie man mit Hilfe von sinnentstellendem Zitieren Wirklichkeiten schaffen kann, in denen man zum Kreuzritter werden kann. Wünsche Ihnen viel Spass bei Ihrem erfolglosen Wirken.
Mit amüsierten Grüßen – Heinrich Breuer

Ja, in der Tat: Seit ca. 10 Jahren bemühe ich mich, im Kreis meiner KollegInnen auf Kernbergs Position aufmerksam zu machen. Die dabei gesammelten Erfahrungen haben mich gelehrt, keine Erwartungen mehr zu haben. Und es gelingt mir auch immer schneller, Antworten wie diese zu „verdauen“. Aber dennoch kann ich bei solchen durchaus typischen Antworten im ersten Moment ein Gefühl von heftiger Übelkeit nicht vermeiden. Da werde ich mit meiner Kritik an Kernberg schamlos gleichgesetzt mit Menschen, die Hitler oder Goebbels verherrlichen. Ohne mit einer einzigen Silbe auf die Zitate einzugehen, steht für Herrn Breuer schon fest, dass ich sie aus dem Zusammenhang reiße. (Ein „Argument“, das ja zwangsläufig auf jedes Zitat passt. Die Alternative dazu, ein Zitat „aus dem Zusammenhang zu reißen“, kann ja nur darin bestehen, jeweils den vollständigen Originaltext zu zitieren. Dabei findet man auf meiner Webseite ziemlich ausführliches Material.) Mit diesem Pauschalvorwurf wird dann ja implizit unterstellt, dass sich Kernberg keineswegs in der von mir kritisierten Form äußert.

(Mein Appell:) Wenn Sie irgendeine Möglichkeit sehen, die Thesen, für die Kernberg einsteht, anlässlich seines Auftritts in Köln publik zu machen, damit sie öffentlich hinterfragt werden, und sich an diesem Protest zu beteiligen, dann wäre ich Ihnen sehr dankbar. Hilfreich wäre auch, wenn Sie jemand aus dem Umfeld des Rundfunks kennen würden, den Sie darauf aufmerksam machen könnten. Meine Erfahrung ist, dass innerhalb meiner eigenen Zunft die KollegInnen einfach ängstlich oder unwissend oder beides sind, und deshalb nicht gegen Kernberg protestieren. Vielleicht haben sie das Gefühl sich schämen zu müssen, wenn sie bekennen müssten, von dieser „Koryphäe“ noch kein Werk wirklich gelesen zu haben. Oder es ist die blinde Gefolgschaft gegenüber den Thesen Sigmund Freuds, der mit seiner Analyse von Ida Bauer („Dora“) im Grunde das Argumentationsmuster bereitet hatte, um ein Opfer von sexualisierter Zudringlichkeit zum Täter zu stempeln.

Bei Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

… keine Reaktion, wie auch hierauf nicht …

 

…, ich hatte Sie vor einigen Tagen auf den Auftritt eines Professors in Köln hingewiesen, der z.B. behauptet, dass Grundschülerinnen einen sexuellen Missbrauch durch ihren Vater „in typischer Weise … als einen sexuell erregenden Triumph über ihre Mutter“ erlebten und „ihre Schuld tolerieren“ müssten.

Inzwischen habe ich das veranstaltende Kölner Institut (KAVT) angeschrieben (49 der dort tätigen DozentInnen). Es gab 3 Reaktionen. Der im Impressum auf der Webseite des Instituts als Mitglied der Leitung genannte Heinrich Breuer (ausgewiesener Fan von Bert Hellinger) hat mir – wie in der letzten Mail zitiert – auf dem mir seit langem vertrauten Niveau der (völlig inhaltsleeren) Auseinandersetzung geantwortet, mit dem in „Fachkreisen“ Kernbergs Thesen „diskutiert“ werden – sofern die Angeschriebenen es nicht vorziehen, sich zum Thema gänzlich auszuschweigen (46 von 49).

Kernbergs Vorlage für seine beschämend verständnislose „Analyse“ eines Falles von kindlichem Missbrauch dürfte übrigens in Freuds Fallstudie über Ida Bauer (= ‚Dora‘) („Bruchstück einer Hysterieanalyse“, 1905) zu suchen sein. Dort exerziert Kernbergs Mentor vor, wie man bei einer Minderjährigen (unter 14 Jahre alt) die real erlebte Bedrängnis durch einen Erwachsenen (Freund des Vaters) völlig verharmlost und statt dessen das Opfer selbst beschuldigt und pathologisiert: die 13jährige Ida Bauer sei „hysterisch“, weil sie sich vor dem Kuss auf den Mund und „dem Andrängen des erigierten Gliedes gegen ihren Leib“ ekelt und wegläuft. (Diese „Behandlung“ fand im Jahr 1900 statt.)

Schon 5 Jahre zuvor hatte Freud die Opferbeschuldigung eingeübt: Eine seiner Patientinnen (Emma Eckstein) hatte er – bei bestehenden Magenschmerzen – seinem Freund Wilhelm Fließ zur Behandlung anempfohlen. Dessen Theorie: Magenschmerzen seien bei jungen Frauen v.a. durch Masturbation bedingt. Er habe einen engen Zusammenhang zwischen Nase und weiblichem Sexualorgan herausgefunden. Für die Masturbationsneigung sei eine bestimmte „Nasenstelle“ zuständig. Wenn man diese mit einer Knochenzange herausschneide, schaffe man den Magenschmerz dauerhaft fort. Bei einer solchen „OP“ von Emma Eckstein verletzt Fließ ein größeres Gefäß. Er verstopft die Wunde mit einem halben Meter Gaze und reist eiligst von Wien nach Berlin (seinem Wohnort) ab. Der Zustand der Patientin verschlechtert sich in den folgenden Tagen rapide. Ein hinzugezogener Arzt entdeckt und entfernt die Gaze. Die junge Frau verblutet dabei beinahe. Längere Zeit steht sie auf der Kippe zwischen Leben und Tod. Am Ende muss ihr ein Teil des Gesichtsknochens weggemeißelt werden, um die Blutung zu stoppen. Fast 2 Jahre lang ist diese „Episode“ Thema in den Briefen zwischen Freud und Fließ. Freud bemüht sich, Fließ zu entlasten: „Du hast es so gut gemacht, als man kann. … Es macht dir natürlich niemand einen Vorwurf, ich wüßte auch nicht, woher“ (8. März 1895); „Ich werde dir beweisen, dass du recht hast, dass ihre Blutungen hysterische waren, aus Sehnsucht erfolgt sind und wahrscheinlich zu Sexualterminen“ (28. April 1896); „ich [weiß] jetzt, dass sie aus Sehnsucht geblutet hat“ (4. Mai 1896); „dass es Wunschblutungen waren, ist unzweifelhaft“ (4. Juni 1896); „an dem Blut bist du überhaupt unschuldig“ (17. Januar 1897).

(In der Anlage zwei Artikel, in der ich die Zusammenhänge ein wenig detaillierter dargestellt habe.)

Ich möchte noch einmal betonen, dass diese Form der Opferbeschuldigung – gerade für Frauen – verhängnisvoll ist. Seit einiger Zeit behandle ich in meiner Praxis eine junge Frau, die vor ca. 5 Jahren im Rahmen einer Psychoanalyse ihrem Therapeuten erzählte, sie sei als 13-Jährige von 3 Mitschülern vergewaltigt worden. Dessen Rückfrage: „Und? Warum haben Sie das nicht verhindert?“ Sie: „Wie bitte? Wie meinen Sie das?“ Er: „Ja, Sie wissen schon, wie ich das meine!“ Die Klientin ging zwar nie wieder zu diesem Analytiker, allerdings wurde sie danach verstärkt von Albträumen geplagt, entwickelte einen Medikamentenmissbrauch (Beruhigungsmittel), traute sich über Jahre nicht mehr, einen (dringend angezeigten) neuen Therapieversuch zu unternehmen.

Weiteres Beispiel solcher therapeutischer Verständnislosigkeit: Eine junge Frau (23) wurde nach der Scheidung ihrer Adoptiveltern von ihrem (zunächst eher besonders geliebten) Adoptivvater sexuell missbraucht (im Alter von 10 Jahren). Seine begleitenden Worte: „Es ist etwas sehr Schönes! Es tut gar nicht weh, wenn du nur locker und entspannt bist!“ Da es höllisch weh tat, machte sie sich Vorwürfe, dass sie „nicht locker genug“ sein konnte. Die Adoptivmutter, der sie irgendwann davon erzählte, glaubte ihr nicht. Als sie auffällig wurde, kam sie in die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Eine Therapeutin dort attestierte ihr – bei den Erzählungen von ihrer Vergewaltigung – einen „Drang zu lügen“. Seit dieser Zeit wache sie jeden Morgen auf mit dem Gefühl, nur noch Heulen zu wollen.

Falls Sie – über den aktuellen Anlass hinaus – Interesse am Thema haben sollten, lassen Sie es mich wissen. Es würde mich freuen, wenn eine größere öffentliche Aufmerksamkeit die „Experten“ zu einer ernsthafteren Auseinandersetzung mit den erschreckend verbreiteten Opferbeschuldigung (im Stile Freuds oder Kernbergs) (die – klassischer Weise – auch insbesondere von Frauenverachtung geprägt ist) drängen könnte.

In den letzten Tagen hatte ich auch mit „Zartbitter e.V.“ in Köln Kontakt aufgenommen, dort mit einem Herrn Kelkel über das Thema gesprochen. Er wollte schauen, ob und wie der Verein zu Kernbergs Auftritt in Köln Stellung bezieht. Auf eine definitive Stellungnahme warte ich noch. Wir waren uns natürlich einig über die Unhaltbarkeit und Problematik von Kernbergs Thesen.

Mit freundlichem Gruß
Klaus Schlagmann