Die Trachinierinnen

…, ein wunderbares Intrigenstück des Sophokles

Der Tod des Herakles: Tragischer Unfall oder heimtückischer Mord? Inspektor Columbo ermittelt.

Die „Trachinierinnen“ des Sophokles – ein spannendes Drama zu verhängnisvoller Politik im antiken Athen.

Vortrag für die Deutsch-Griechische Gesellschaft Saar am 05.04.2012

War es Mord? Oder war es bloß ein Versehen? Deianeira will (angeblich) an ihrem Gatten Herakles ein Liebesmittel ausprobieren, weil er ihr untreu geworden ist. Aber dieses Mittel erweist sich als tödlich für Herakles. Kein noch so mächtiges Monster hat zuvor geschafft, was nun Deianeira gelingt: den Kraftprotz jämmerlich zur Strecke zu bringen.

Diese spannende Geschichte vom Tod des antiken Superhelden wird vor ca. 2500 Jahren von dem Dichter Sophokles im antiken Athen auf die Bühne gebracht. Bei vielen Fachleuten gilt die Gattin des Herakles bis heute als ahnungslose, treusorgende Gattin. Ist sie das wirklich? Meine eindeutige Antwort: Nein!

Es ist meine feste Auffassung, dass Sophokles in allen seinen Stücken die Absicht verfolgt hat, seinen Mitbürgern eine klare politische Botschaft mit auf den Weg zu geben. Es sind quasi Gleichnisse, die sich auf aktuelle politische Fragen beziehen. Damit ist wichtig, sehr genau die Handlungsdynamik solcher Stücke zu erfassen. Denn nur mit einer klar erfassten Dynamik lässt sich eine begründete Vermutung über die Absicht des Stückes formulieren.

Meine These: In den „Trachinierinnen“ – entstanden nach 438 v.u.Z. – kommentiert Sophokles den sog. „Samischen Krieg“ (441 – 439 v.u.Z.). Athen war damals seinem langjährigen Bündnispartner Samos untreu geworden und hatte sich in einem Konflikt der Insel mit der Stadt Milet massiv für die Seite Milets eingesetzt. Samos hatte sich daraufhin um Unterstützung durch die Perser bemüht. 

Die Botschaft des Sophokles: „Leute, wir müssen uns nicht wundern, wenn sich unsere Bündnispartner, die wir verraten, mit unseren Erzfeinden verbünden! So eine Politik kann selbst uns Athenern, so stark wir auch sein mögen, eines Tages das Genick brechen!“