Bernhard Trenkle, Rottweil, Helm Stierlin, Heidelberg, & Otto F. Kernberg

                                                                                        

 

In einer Internet-Werbung des Milton-Erickson-Instituts in Rottweil – unter der Leitung von Bernhard Trenkle – wird für eine Veranstaltung (26.10. - 28.10.2006) geworben:

„Otto Kernberg: Psychoanalyse für Nicht-Psychoanalytiker. Was jeder Psychotherapeut über Psychoanalyse wissen sollte. ... Einer der brillantesten Köpfe der internationalen Psychotherapie definiert die Essenz der Psychoanalyse aus heutiger Sicht.

Als weiterer Referent wird angekündigt: Prof. Dr. Helm Stierlin, Heidelberg.

Offenbar, um die besondere Genialität des Referenten Kernberg (vgl. die entsprechenden Ausführungen auf dieser Webseite) zu unterstreichen, heißt es dort:

Eine kleine Anmerkung: Otto Kernberg war 1994 als Referent auf der Hamburger Evolution Konferenz. Für diejenigen, die damals noch nicht im Feld waren: 6000 Teilnehmer besuchten diese Konferenz und die Creme de la Creme der internationalen Psychotherapieszene referierte: Viktor Frankl, Aaron Beck, Paul Watzlawick, Jay Haley, Mara Selvini, Eugene Gendlin, Arnold Lazarus, Irv Yalom, Alexander Lowen, Albert Ellis, Don Meichenbaum, William Masters, Joseph Wolpe, James Hillman etc. Auf dieser Konferenz bekam Otto Kernberg für seinen Workshop das beste Feedback aller Workshops. Unglaubliche 4,95 im Schnitt (5 war sehr gut, 0 war unbrauchbar) und das bei einem Publikum, das sicher mehrheitlich nicht aus Analytikern bestand.

Aktuell: 5. Evolution of Psychotherapy 2005 USA, 8700 Teiln. (größte Psychotherapie-Konferenz aller Zeiten) Bestnote auf den Feedbackbögen: Exzellent = 4. Otto Kernberg bei 512 Feedbackbögen im Schnitt 3,9!!!

Nach diesem Lob heißt es dann:

Einer der führenden Psychoanalytiker der Welt und langjähriger Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung Otto Kernberg definiert und demonstriert prägnant den Stand der Kunst der Psychoanalyse. Prof. Kernberg arbeitet schon seit Ende 2005 an diesem Seminar, liest spezielle Literatur und betrachtet dieses Seminar offensichtlich als große Herausforderung. ...

Zur Idee und einige Insider-Infos: Am Rande der 4. Evolution of Psychotherapy-Konferenz im Jahre 2000 in den USA entstand die Idee, Otto Kernberg zu einem Seminar: „Psychoanalyse für Nicht-Psychoanalytiker“ einzuladen. Also: einer der führenden Psychoanalytiker weltweit definiert, was aus seiner Sicht der Stand der Kunst ist und was jeder Therapeut ob verhaltenstherapeutisch, systemisch, hypnotherapeutisch oder psychoanalytisch orientiert von der Psychoanalyse wissen sollte. Otto Kernberg war von dieser Idee spontan sehr angetan.

Helm Stierlin war von der Idee ebenfalls sofort begeistert und hat seine Beteiligung zugesagt. Stierlin hat schon vor über 20 Jahren darüber geredet, dass er die analytischen Konzepte auf familientherapeutischem Hintergrund durchleuchten und überarbeiten möchte. In seinen Büchern hat er dazu dann auch Beiträge geleistet. Helm Stierlin wird in diesem Seminar einen Vortrag halten und Kernberg und Stierlin werden dann miteinander diskutieren.

Für mich überraschend hat Otto Kernberg angekündigt, dass er Videos mitbringen wird, auf denen man sehen kann, wie er konkret arbeitet. Die Ego-State-Therapeuten mit ihren wertvollen Konzepten für die Traumatherapie, die sich in der Nachfolge von Paul Federn über Eduardo Weiss und John und Helen Watkins an analytischen Theorien und hypnotischen Techniken orientieren, haben einige Fragen, die sie Otto Kernberg stellen wollen. Vielleicht werden wir das Thema Hypnose und Psychoanalyse noch auf andere Weise beleuchten.

Christian Kinzel, der Herausgeber des Megaphons und Autor des Buches „Psychoanalyse und Hypnose – auf dem Weg zu einer Integration“ wird in Heidelberg jedenfalls dabei sein. Wir werden auf jeden Fall drei lehrreiche und hochinteressante Seminartage erleben.

Möglicherweise werden Otto Kernberg und Bernhard Trenkle in einer abendlichen Zugabe Therapeutenwitze oder therapeutische Witze erzählen, denn bei jeder unserer Begegnungen ging es immer sehr lustig zu und wir saßen schon Stunden zusammen und hatten viel Spaß mit Witzen und Anekdoten.

Na, dann wollen wir allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen eine superwitzige Veranstaltung wünschen!!!

Der Spaßvogel Bernhard Trenkle (Autor von „Das Ha-Handbuch der Psychotherapie. Witze – ganz im Ernst.“ 1995) hat sich sicherlich – dem Niveau Kernbergscher Argumentation entsprechend – ein paar schöne Witze über sexuell missbrauchte Kinder oder KZ-Insassen- und Insassinnen überlegt. Das war garantiert sehr, sehr lustig!

Zu diesem ambitionierten Projekt hatte ich Herrn Trenkle am 22. Juli 2006 per Email geschrieben:

Sehr geehrter Herr Trenkle,

darf ich Sie fragen, was Sie von folgender Weisheit halten:

Bei einer Patientin mit schweren Depressionen stellt sich heraus, dass sie als Mädchen von unter 10 Jahren vom Vater vergewaltigt wurde. Ihr Therapeut deutet, die Grundschülerin habe diese Situation "typischer Weise" als einen "sexuell erregenden Triumph über ihre Mutter" erlebt. Sie müsse lernen, "ihre Schuld [!!!][zu] tolerieren". Derselbe Therapeut deutet die tyrannische Art eines Mannes gegenüber seiner Familie so, dass dieser Patient, der als 12jähriger aus einem KZ befreit wurde (es wird nicht gesagt, wie lange der Betreffende diese Tortur aushalten musste) dort miterlebt hatte, wie seine ganze Familie vor seinen Augen abgeschlachtet worden war. Sein Problem sei, dass er seinen Hass bereits im Säuglingsalter entwickelt und diesen dann ins KZ mit hineingebracht habe. Der Therapeut: "Ich übertreibe nicht, wenn ich meinen Eindruck wiedergebe, dass dieser Mann sich seiner Familie gegenüber so verhielt, als ob er der Kommandant des Konzentrationslagers sei, in dem seine ganze Familie ermordet wurde." Dabei wird, wohlgemerkt, nicht berichtet, der Mann habe eines seiner Familienmitglieder vergast, erhängt oder gefoltert. Finden Sie so etwas nicht widerlich und geschmacklos? Ist das nicht völlig krank, pervers? Kann das die Grundlage einer gelungenen Therapie sein? Wenn Sie sich für meine Sicht der Dinge interessieren, dann könnten Sie auf meiner Web-Seite mehr Informationen dazu finden.

Der Autor dieser Widerwärtigkeiten erzielt mit seinen Seminaren auf internationalen Kongressen Bestnoten. Das ist ein wunderbarer Maßstab für das ganze Ausmaß an Verblödung, das unter Psychotherapeuten/-innen bereits um sich gegriffen hat. Vielleicht könnten Sie ja auch die Interessenten an Ihrem Oktober-Workshop auf die Quelle der obigen Perversionen hinweisen: Otto Kernberg: Persönlichkeitsentwicklung und Trauma, PTT, 1999, S. 5-15.  ...

Oder ist der ganze Workshop nur ein Akt der Anbiederung an die großen Kollegen von der Psychoanalyse? Blöd gelaufen, dass Bernd Rudolf die Hypnose als Richtlinien-Verfahren abgeschmettert hat. War die ganze Schleimerei umsonst?

Falls Sie den Schmäh über die Witzigkeit und Genialität eines Otto Kernberg weiterhin allen Ernstes anpreisen und gedenken, diesen Workshop in dieser Weise stattfinden zu lassen, anstatt den ganzen Zinnober bis in drei Wochen (12.08.) komplett abzublasen, dann kündige ich Ihnen an, dass ich Sie und Ihr Institut in die anlaufende Anti-Kernberg-Kampagne voll mit einbeziehen werde! Da werden wir dann sehen, wer am besten lacht.

Es ist an der Zeit, dass die Verleugner von Gewalt gegen Kinder in die Schranken gewiesen werden! Es ist an der Zeit, dass die Relikte einer fossilen, perversen Psychoanalyse, die systematisch Opfer zu Tätern erklärt, aus dem Bereich der kassenfinanzierten Psychotherapie ausgetrieben werden! Es ist an der Zeit, dass den Repräsentanten dieses bizarren Glaubens der Geldhahn zugedreht wird!“ 

Mag sein, dass sexuelle Geschmacklosigkeiten der Milton Erickson-Gesellschaft nicht sehr ferne liegen. Jeffrey Masson hat jedenfalls in seinem Buch „Die Abschaffung der Psychotherapie“ einige Zitate gesammelt, die Milton Erickson als ziemlich dominanten, manipulativen (im negativen Sinne) Sexisten zeigen (Masson, 1991, S. 270-282).

Bernhard Trenkle hatte auf mein Anschreiben lange nicht reagiert. Irgendwann ergab sich dann doch ein längerer Austausch per Email. Einer Veröffentlichung unseres Austausches wollte Bernhard Trenkle nicht zustimmen.