Wilhelm Jensens Grabmal

 

Wilhelm Jensen (gest. 1911) und Marie Jensen (gest. 1921) wurden auf der Fraueninsel (Chiemsee) beerdigt. Die beiden hatten sich dort im Jahr 1864 kennengelernt.

Das Grab von Emil Lugo (links) und Wilhelm und Marie Jensen (2. v. links)

 

Aus der Korrespondenz mit dem Münchner Bildhauer Bernhard Bleeker mit Marie Jensen (1912) geht hervor, dass ursprünglich geplant war, ein Porträt von Wilhelm Jensen in Bronze als Medaillon auf dem Stein anzubringen. So ist z.B. auch der Grabstein von Emil Lugo gestaltet, der neben Wilhelm und Marie Jensen auf der Fraueninsel begraben ist.

Der Maler Emil Lugo war ein sehr enger Freund der Familie. Marie Jensen hat wohl bei ihm auch ihre Kunst vervollkommnet. Lugo hat beispielsweise den Salon des Landhauses in Prien mit einer Wandmalerei – im pompejanischen Stil – ausgestaltet: Ein Blick auf den Golf von Neapel. Der Vesuv und Pompeji sind auch zu sehen.

Der Grabstein wurde dann jedoch ganz anders gestaltet: Ein junger Mann, vielleicht zwanzig Jahre alt, sitzt mit gebeugtem Kopf da. Das Leintuch, mit dem er bedeckt ist, ließe sich leicht in ein griechisches Gewand verwandeln. Im Hintergrund ist die untergehende (oder aufgehende) Sonne zu sehen.

Grabmal von Wilhelm (und Marie) Jensen

 

Der oben gezeigte Bildausschnitt stammt von einer alten Fotografie, wohl entstanden um das Jahr 1912. Neben dem Grabstein steht die Witwe von Wilhelm Jensen, Marie Jensen.

 

 

Marie Jensen – neben dem Grabmal ihres Gatten Wilhelm

 

Dieser Grabstein ist offenbar mit Bedacht geschaffen worden: Er lässt sich verstehen als ein Pendant zu dem Relief der ‚Gradiva’, in der Jensen wohl ein Symbol für die drei wichtigsten Frauen in seinem Leben gesehen hat, neben seiner früh verstorbenen Jugendliebe auch seine Gattin Marie und die jung verstorbene Sophie Stammann. Man könnte sich vorstellen, dass die ‚Gradiva’ – ähnlich wie von Marie auf dem Bild dargestellt – von rechts auf den jungen Mann zugelaufen kommt und ihn im Jenseits in Empfang nimmt.

 


Fotomontage von Jensens Grabmal und der ‚Gradiva’

 

In der Familie Jensen wurde das Andenken an Jensens Jugendliebe über seinen Tod hinaus wachgehalten; eine Tochter Jensens, Maina Heyck-Jensen, hat jedenfalls die in der Familie erhaltene Fotografie der Jugendliebe (eine Daguerrotypie) für ihren Sohn sorgfältig beschriftet: „Großpapas (Wilhelm Jensens) Jugendliebe. Sie ist jung an Schwindsucht gestorben.

 

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